Das Jahr hat sehr schön, in Berlin, mit einem Geburtstag begonnen. Leider konnte meine Frau nicht mit uns feiern - sie war auf Reha.

Was dann passiert ist, das ist Geschichte - Weltgeschichte. Der Virus hat uns im Griff und bringt ab März das öffentliche Leben fast zum Erliegen. Auch eine geplante weitere Geburtstagsfeier wurde abgesagt.

Gut funktioniert hat mein Studium - ich habe alle Prüfungen auf den ersten Versuch mit akzeptablen Noten bestanden.

Was ist passiert bei uns? Warum waren die Menschen manchmal so seltsam? Im Sommer gingen die Ansteckungszahlen nach unten, das Leben konnte fast schon wieder als normal bezeichnet werden. Ganz wichtig in unserer 'Ich-Gesellschaft': Ich muss in Urlaub FLIEGEN.

Das hat den Sommer über offensichtlich auch gut geklappt, jeder der wollte konnte ihren Urlaub machen. Was ich überaus befremdlich finde ist, dass dann im Herbst und Winter, als die Ansteckungszahlen nie gekannte Höhen erreichten, so viele Menschen den Staat für das Versagen verantwortlich machen. Das scheint unsere Vollkaskomentalität zu sein - wir tun und lassen was wir wollen, wir sind ja versichert - und wenn sich herausstellt, dass das nicht funktioniert hat, dann ist Vater Staat verantwortlich. Wie bequem.

Ich habe versucht zu verstehen, warum Menschen zu 'Coronaleugnern' werden. Ich kann es nicht verstehen.
Wie können Eltern ihre Kinder misbrauchen, bis hin zu dem Punkt, dass ein armes kleines unterdrücktes Mächen sich mit Anne Frank vergleicht, weil sie ihren Kindergeburtstag heimlich feiern musste. Wie perfide, wie niveaulos, wie unglaublich respektlos den ermordeten Menschen gegenüber.
Und... Jana aus Kassel. Ich finde es toll, dass sie sich engagiert für etwas, das ihr wichtig ist, es ist bewundernswert, dass sie mit 21 (?) Jahren eine Veranstaltung anmeldet. Was ich aber überaus bedenklich finde und da zweifel ich ein wenig an dem hessischen Bildungssystem ist, dass sie sich mit Sophie Scholl vergleicht, weil sie im Widerstand tätig war. Moment, sie war WAS? Im Widerstand gegen WEN, gegen welches System, gegen welchen Despoten?
Kurz zur Erinnerung, Sophie Scholl hat mit ihren Mitstreitern Flugblätter gedruckt, verschickt und verteilt, um gegen das nazionalsozialistische Regime zu protestieren. Alles heimlich, weil sie sonst verhaftet und vermutlich umgebracht worden wäre.
Moment, sie IST umgebracht worden.
Jana hingegen kann ihre Flugblätter drucken, sie kann sie gefahrlos in Auftrag geben, wenn sie nicht selber drucken will oder kann (keine Ahnung, ob sie Flugblätter gedruckt hat) aber was noch wichtiger ist, sie hat das Recht eine Demo anzumelden und diese abzuhalten - und der Staat übernimmt den größten Teil der weiter notwendigen Dinge (Polizeischutz, etc.). Ja Jana, Sie haben sich wirklich einen Bärendienst erwiesen, bitte bilden Sie sich weiter, machen Sie sich schlau was es bedeutet wirklich Widerstand leisten zu müssen.

Gutes Thema, Widerstand und Polizei. Eine Kollegin aus Belarus war begeistert, als sie zur Unterstützung der Widerstandsbewegung in ihrem Land auf eine Demo in Berlin ging. Mit glänzenden Augen hat sie erzählt, dass die Polizei da war - und die Demonstranten geschützt hat!

Im Verlauf des Jahres habe ich dann auch alle Prüfungen des zweiten Semesters auf den ersten Versuch bestanden. Alle Vorlesungen online, die Prüfungen vor Ort.

Onlinevorlesungen, Onlineunterricht. Warum schafft es Bayern nicht, hier Vorreiter zu werden? Warum funktioniert es nicht, dass die Schüler an Onlineunterricht teilnehmen? Die Anzahl derer, die keine Hardware haben (Kinder/Familien) ist sehr gering und das könnte sehr leicht abgefangen werden, bzw. die könnten mit Computern versorgt werden. Warum schafft es der Staat nicht, hier ein vernünftiges Angebot, bzw. eine tragfähige Infrastruktur auf die Beine zu stellen? Vielleicht weil die Regierung ähnlich kompetent ist wie der Bundesverkehrsminister aus der selben Partei? (Ok, ich mache hier NICHT weiter mit der vergeigten Chance vernünftige Bußgelder zu verteilen. Ich persönlich vermute, dass das Absicht war.)

Was bleibt vom Jahr 2020? Eine zerstrittene Gesellschaft? Oder ist nur ein kleiner unzufriedener Teil sehr sehr laut, wie damals die Studenten 1968?
Auf jeden Fall haben wir laut Medien eine aufgeheizte Stimmung. Mir ist die zum Glück fast nicht begegnet in meinem Umfeld. Lediglich eine Person haben wir an Verschwörungstheorien und Coronaleugnung verloren - leider eine zu viel.

Auf gehts ins Jahr 2021. Ich hoffe, dass das Jahr besser wird als das vergangene aber wir müssen uns bewusst sein, dass es auch noch schlimmer geht als im vergangenen Jahr, auch wenn viele das nicht glauben können...